Die Partei, welche ich lieben, verachten und wieder bewundern gelernt habe
Als 2009 die Piraten durch Zensursula einen verdienten Schub an Aufmerksamkeit und neuen Mitgliedern bekamen habe ich, wie viele andere auch sie zwar wahrgenommen aber schnell wieder vergessen.
2012 gab es dann ACTA und plötzlich fand ich mich mit Grünen, Jusos, Piraten und anderen farblosen, wie mir an einem Tisch wieder und habe innerhalb von 3 Tagen 2800 Menschen dazu bewegt für die Freiheit des Internets auf die Straße zu gehen. Danach habe ich gemerkt, wer die Piraten eigentlich sind.
Datenschutz, Gleichberechtigung, Freiheit, freier Zugang zu Wissen, flache Hierarchien und die Möglichkeit für jeden sich einzubringen waren genau das, was keine Andere Partei bieten konnte und was ich doch selbst in der Schule immer schmerzlich vermisst habe. Kurz, ich habe mich quasi auf einen Schlag in die Partei verliebt.
Als ich noch mit meinem Mitgliedsantrag in der Tasche durch die Gegend lief wurde der Landtag NRW aufgelöst und in den folgenden Woche habe ich eine beeindruckende Welle an Teamgeist und Aufopferung für die Werte von oben gesehen, die mich schlicht sprachlos machten.
Es kam, wie es kommen musste, wir haben die 5%-Hürde genommen und sind in den Landtag eingezogen. Für mich war das damals wie ein Aufbruch in ein neues Zeitalter. Ich war naiv genug zu glauben, dass jetzt langsam aber sicher die richtigen Impulse in die Politik und die Menschen unseres Landes kommen könnten.
Weit gefehlt.
Trolle, Selbstdarsteller und viele, denen die Kernthemen unserer Partei Fremdwörter zu sein schienen fingen an Mailingslisten und Stammtische zu überfluten und es gab unglaublich unnötige Skandale, die uns in der Öffentlichkeit wie die letzten Urmenschen haben aussehen lassen. Ich war, wie viele andere auch enttäuscht und fing sogar an zu zweifeln, ob es Sinn für mich macht weiter in dieser Partei zu bleiben, schließlich schienen die Werte, die mich damals überzeugt haben keine Plattform mehr zu bekommen, sondern nur noch Skandale und die persönlichen Wehwehchen einiger Leute.
Mit viel Bauchschmerzen entschloss ich mich trotz allem zu der Aufstellungsversammlung für die Bundestagswahl 2013 zu fahren. Zum Glück, denn als ich Sonntag Abend gegen 20:15h bei Twitter die TopTen unserer gewählten Landesliste für den Bundestag laß bekam ich das Gefühl, dass die Kernthemen wieder im Aufwind sind.
Schauen wir, wie es weiter geht. Ich hoffe, es endet nicht wieder alles in Selbstzerfleischung und Enttäuschung, denn was ich in Meinerzhagen gesehen habe war eine Partei, die endlich wieder konstruktiv war und zurück zu ihren Wurzeln gefunden zu haben schien.
